Auflösung zum 4. Märchenrätsel



Ein Mann hatte einen Esel, der schon viele Jahre brav die Kornsäcke zur Mühle getragen hatte. Nun aber war der Esel alt geworden und seine Kräfte gingen zu Ende. Da wollte der Mann das Futter sparen und den Esel töten, aber der Esel merkte, dass kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen. Dort wollte er sein Glück als Stadtmusikant versuchen.


Als er eine Weile gegangen war, traf er auf einen Jagdhund, der auf dem Straßenpflaster lag und nach Luft japste wie einer, der sich müde gelaufen hat.

"Nun, was japst du so, Packan?", fragte der Esel.

"Ach", erwiderte der Hund, "weil ich alt bin und jeden Tag schwächer werde und auch bei der Jagd nicht mehr mithalten kann, da wollte mein Herr mich totschlagen. Da hab ich Reißaus genommen! Aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?"

"Weißt du was?", sagte der Esel. "Ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant. Komm mit und mache es mir gleich. Ich spiele die Laute und du schlägst die Pauke."

Der Hund willigte ein und sie gingen weiter.


Es dauerte nicht lange, so saß da eine Katze am Wegesrand und machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter.

"Nun, warum bist du so schlecht gelaunt, alter Bartputzer?", fragte der Esel.

"Wer kann schon fröhlich sein, wenn es ihm an den Kragen gehen soll?", antwortete die Katze. "Weil ich alt bin, meine Zähne stumpf werden und ich lieber hinter dem Ofen sitze und spinne, als die Mäusen zu jagen, da wollte mich meine Frau ertränken. Ich bin zwar noch entkommen, aber nun ist guter Rat teuer: Wo soll ich hin?"

"Geh mit uns nach Bremen, du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du ein Stadtmusikant werden."

Die Katze hielt die Idee für gut und ging mit.


Wenig später kamen die drei Tiere an einem Hof vorbei, da saß auf dem Torbogen ein Hahn und krähte aus Leibeskräften.

"Du schreist, dass es einem durch Mark und Bein geht", rief der Esel. "Warum tust du das?"

„Weil morgen Gäste zum Essen kommen, hat die Hausfrau der Köchin gesagt, sie wollte mich dann der Suppe sehen. Nun schreie ich aus vollem Hals, solange ich es noch kann."

"Ei was, du Rotkopf", rief der Esel, "gehe lieber mit uns fort, wir wolle nach Bremen! Etwas Besseres als den Tod findest du überall! Du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so wird es sich fabelhaft anhören." Dem Hahn gefiel Vorschlag und sie gingen alle vier zusammen fort.


Sie konnten aber die Stadt Bremen an einem Tag nicht erreichen und kamen am Abend in einen Wald, in dem sie übernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen großen Baum, die Katze und der Hahn machten es sich in den Ästen bequem, der Hahn aber flog bis in die Baumkrone, wo es am sichersten für ihn war. Ehe er aber einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Seiten um. Da schien es dem Hahn, er sähe in der Ferne ein Fünkchen brennen, und so er rief seinen Gesellen zu, es müsste da drüben ein Haus stehen, denn es schiene ein Licht.

Der Esel antwortete: "Lasst uns aufstehen und nachsehen, denn hier ist die Herberge schlecht."

"Ein paar Knochen und etwas Fleisch dran täten mir auch gut", stimmte der Hund zu.

Also machten sie sich auf den Weg dorthin, wo das Licht schien, und sahen es bald heller und heller leuchten, bis sie schließlich an ein Räuberhaus kamen, in dem in allen Stuben Kerzen brannten.

Der Esel, der ja von allen der Größte war, näherte sich dem Fenster und schaute hinein.

"Was siehst du, Grauschimmel?", fragte der Hahn.

"Was ich sehe?", antwortete der Esel aufgeregt. "Ich sehe einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken und Räuber sitzen daran und lassen es sich gut gehen."

"Das wäre was für uns", überlegte der Hahn laut.

"Ja, ach ja, schön wäre es!" gab der Esel wehmütig zurück.

Da beratschlagten die Tiere, wie sie es schaffen könnten, die Räuber fortzujagen und schließlich hatten sie einen Einfall. Der Esel musste sich mit den Vorderhufen auf das Fensterbrett stellen, der Hund sprang auf den Rücken des Esels, die Katze kletterte auf den Hund und zum Schluss flog der Hahn in die Höhe und setzte sich der Katze auf den Kopf.

Als sie sicher standen, fingen sie auf ein Zeichen an, gemeinsam ihre Musik zu machen: Der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute und der Hahn krähte. Dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, dass die Scheiben klirrten. Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe, glaubten, ein Gespenst sei hereingekommen und flohen in größter Angst in den Wald hinaus. Die vier Freunde aber setzten sich an den Tisch und schmausten nach Herzenslust.


Als die vier Musikanten fertig waren, löschten sie das Licht aus und suchten sich einen Schlafplatz, jeder nach seiner Natur und Bequemlichkeit. Der Esel legte sich ins Stroh, der Hund hinter die Tür, die Katze auf den warmen Herd und der Hahn flatterte auf den Dachbalken. Weil sie von ihrem langen Weg müde waren, schliefen sie bald ein.


Als Mitternacht vorüber war und die Räuber von ferne sahen, dass kein Licht mehr im Haus brannte und auch alles still schien, da murmelte der Hauptmann nach langem Nachdenken: "Wir hätten uns nicht ins Bockshorn jagen lassen sollen!"

Er befahl einem seiner Räuber zurückzugehen und das Haus zu untersuchen.

Der Räuber fand alles ruhig, ging in die Küche ein Licht anzünden und weil er glaubte, die feurigen Augen der Katze seien glühende Kohlen, hielt er ein Streichhölzchen daran, um Feuer zu bekommen. Aber die Katze verstand keinen Spaß, sprang ihm ins Gesicht, spuckte und kratzte. Da erschrak er gewaltig, lief und wollte zur Hintertür hinaus. Aber dort lag der Hund, er sprang auf und biss ihn ins Bein und als er über den Hof an dem Strohhaufen vorbeikam, da gab ihm der Esel noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterhuf. Der Hahn aber, der von dem ganzen Lärm aus dem Schlaf geweckt und munter geworden war, krähte vom Balken herab: "Kikeriki!"

Da lief der Räuber, so schnell er konnte, zu seinem Hauptmann zurück und erzählte schlotternd vor Angst: "Ach, in dem Haus sitzt eine garstige Hexe, die hat mich angehaucht und mit mir ihren langen Fingern das Gesicht zerkratzt. Und vor der Tür steht ein Mann mit einem Messer, der hat mir damit ins Bein gestochen. Und auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungetüm, das hat mit einer Holzkeule auf mich losgeschlagen. Und oben auf dem Dach, da sitzt ein Richter, der rief: 'Bringt mir den Schelm her!' Da sah ich zu, dass ich wegkam."

Der Räuberhauptmann und die ganze Bande nickte verständnisvoll.

Von nun an trauten sich die Räuber nicht mehr, das Haus zu betreten, den vier Bremer Musikanten gefiel es aber darin so gut, dass sie nicht wieder heraus wollten.

Die Bremer Stadtmusikanten - nach dem Märchen der Gebrüder Grimm erzählt von Diana Johanns


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